Mittwoch, 05. Juni 2002
"Die schlimmsten Diebe sind schlechte Bücher, .... und Zeitungen!
Eigentlich gäbe es viele Dinge zu berichten. Die Massenmedien (Presse, Hörfunk, Fernsehen) in unserer Scheindemokratie behaupten von sich selbst, sachlich und verständlich die einzelnen BürgerInnen zu informieren, damit diese das öffentliche Geschehen verfolgen können.
Was passiert? Die wirtschaftlichen, sozialen, politischen Zusammenhänge werden zu einer durch Medien vermittelten Welt. Und um anfangs gleich etwas klarzustellen: Hätte Pinocchio in seinen Serien soviel gelogen, wie es heute in der globalen Medienwelt passiert, wäre seine Nase schon längst aus den Bildschirmen herausgewachsen. Die Folgen, soll sich jeder selbst überlegen. Die Funktionen der Massenmedien haben zumindest ein gemeinsames Merkmal: sie dienen als Sprachrohr der Interessen der Kapitalisten, in deren Händen sie sich auch befinden.
Also soviel zum Thema objektive Berichterstattung, Information, Mitwirkung, Meinungsbildung, Kritik und Bildung. Wir sehen, hören und lesen, was sie wollen. Propagandistische Hetzkampagnen, Werbungen, verdrehte Nachrichten, Teilwahrheiten, unwahre Tatsachenbehauptungen ... kurzum: Standpunkte der Mächtigen, die eine gefährliche Thematisierungsfunktion ausüben. Sie beherrschen das Werkzeug Sprache und Kommunikation um das Klassensystem in ein falsches Bild zu rücken. Friede-Freude-Eierkuchen, Freiheit, Flexibilität, Kampf dem Terrorismus, ... alles zum Wohle der Menschheit. Was daraus folgt ist, dass alles, was in den Medien kommt, richtig und wichtig ist. Wer im Fernsehen ist, wagt es nicht zu lügen. Es ergibt sich ein Stärkeverhältnis, dessen Ziel alles andere als die Presse- und Meinungsfreiheit ist. Der Informationswert, die Qualität liegen auf unterstem Niveau.
Die Bourgeoisie schlägt damit mehrere Fliegen auf einen Streich. Auflagen- und Verkaufszahlen steigen. Einnahmen durch Werbeanzeigen. Förderung von politischen Vertretern, deren Interessen die gleichen sind, wie die ihren. Und am aller schlimmsten: Den Menschen wird eine Welt vorgegaukelt, es wird ein System hochgelobt, welches zum Scheitern verurteilt ist, Meinungen einer Handvoll von Privilegierten werden in das Bewusstsein vieler eingeimpft.
Ein weiterer Clou ist die staatliche Presseförderung, in deren Genuss nicht die kleinen Zeitungen kommen, sondern die großen "Pressegiganten", die Steuergelder als Förderung dafür benutzen, um die Menschen für dumm zu verkaufen.
Sei es in Venezuela, wo Medien im Dienste des Kapitals die Konterrevolution ausriefen, oder in Österreich wo sie zum verlängerten Arm der Regierung umfunktioniert wurden, oder in Vorarlberg wo den Menschen eine Medienvielfalt vorgeschwindelt wird.
Die Monopolgruppe in Vorarlberg gehört einem Herrn namens Russ, welcher der Besitzer der Tageszeitung Vorarlberger Nachrichten, des Wann und Wo, Heimat, der NEUEN, 1036Hallo (Telefon), Antenne (Radio) und auch der Internetseite Vorarlberg Online ist. Seine Finger hat er allerdings noch in manch anderen Bereichen. Beinahe alle diese Medien werden in seinem Medienhaus gebündelt verwaltet. JournalistInnen der einen Zeitung sitzen nur durch eine Glaswand getrennt von den SchreiberInnen der anderen Zeitung. Es ist auch schon vorgekommen, dass die gleichen Artikel in mehreren Zeitungen veröffentlicht wurden. Was die verschiedenen Zeitungen unterscheidet, ist ihr Name und eventuell noch die Zielgruppe. Tolle Vielfalt in einer Hand! Das Niveau der Zeitungen, damit sind ausnahmslos alle gemeint, ist aus der niedrigsten Schublade. Die Artikel zeichnen sich dadurch aus, möglichst wenig Informationsgehalt, dafür umso mehr rassistisches Gedankengut zu bieten. Vor allem in der NEUEN findet sich keine Ausgabe, bei der nicht abwertend über MigrantInnen berichtet wird. (z.B. Türke in Ankara sammelt seit 2 Jahren Müll in seiner Wohnung) Auch wenn diese Nachricht der Wahrheit entsprechen sollte, müssen wir uns die Frage stellen, ob dieses Statement von Interesse ist? Heißt das jetzt etwa das Türken stinken und unzivilisiert leben? Wer will was mit so einer Aussage bewirken? Bei Leserbriefen wird bewusst zensuriert, um bloß keine kritischen Stimmen aufkommen zu lassen, oder sie werden erst gar nicht gedruckt. Das einzige was man der VN zugute halten kann, ist ihr 4-Farben-Print. "Farben statt Infos, scheint offensichtlich ihr Motto zu sein, zählt doch die VN europaweit zu den ersten Vollfarbtageszeitungen.
Rückblickend muss man auch erwähnen, dass über unsere Demonstrationen gegen Bildungsabbau und gegen Schwarz-Blau zwar berichtet wurde (waren doch zu viele Menschen auf der Straße, als dass man hätte wegschauen können), aber die Zahlenangaben über die DemoteilnehmerInnen wurden jedes Mal heruntergespielt.
Diese Monopolisierung und Instrumentalisierung muss durchbrochen werden. Medien müssen Missstände aufdecken, den Menschen bewusst machen, was für eine Rolle sie in der Klassengesellschaft und der Welt des "global playing, einnehmen. Wir dürfen ihren Worten keinen Glauben schenken. Statt "be in the media, soll für uns gelten "be the media". Die Freiheit und Unabhängigkeit sowie die Qualität der Medien muss gewährleistet sein, um ein möglichst objektives Bild von gesellschaftlichen Prozessen zu erhalten, zu verarbeiten und zu verstehen. Und zwar so, dass wir zu dem Schluss kommen, dass die herrschende Klasse uns die längste Zeit unterdrückt hat. Wundert sich denn niemand, wie Politikwissenschaftler dazu kommen, über die Entwicklung George Bush’s Charme zu reden? Spätestens seit dem Tag, als ein Kamerateam der Vorarlberger Nachrichten für die Abendsendung im Fernsehen unseren Kiwistrauch filmen wollte, da dieser angeblich außergewöhnlich groß gewachsen und in unseren Breitengraden sonst kaum zu finden sei, wurde mir klar, welches Süppchen da gekocht wird. Was interessiert mich ein Kiwistrauch in Anbetracht von weltweitem Massenelend, Rassismus, Unterdrückung?
Jedoch: Wir lassen uns nicht vergiften und essen eure Suppe nicht. Sie ist zu versalzen.